Samstag, 29. Dezember 2007

Berg- und Talfahrt der Stimmungen

Geduld fordert ihre Tribute. So sind Wechselbäder der Stimmungslagen momentan an der Tagesordnung. Von grenzenloser Zuversicht, die uns rosarot in die Zukunft blicken lässt bis hin zu körperlich schmerzender Verzweiflung, weil weder Anfang noch Ende in Sicht sind. Dazu mischt sich ein gewisser satreischer Ekel vor der uns umgebenden Bevölkerung. Wir versuchen uns in Vergebung, ehrlich. Niemand ist vollkommen und jeder verdient mindestens eine zweite Chance. Wir versuchen nach wie vor, das Gute in allem zu sehen. Denn hat nicht alles einen Sinn? Manchmal ist es schwer, den wahren Kern einer Sache zu erkennen. So zum Beispiel im scheinbar sinnlosen Zerstören von Autos auf dem Parkplatz, unter denen leider diesmal auch unser Chrysler zu leiden hatte. Scheibe eingeschlagen, Innenraum verwüstet, innen wie außen mit Silikonölspray eingesprüht, um als Sahnehäuptchen den Inhalt eines Feuerlöschers darüber zu verteilen. Und das zwei Stunden vor dem Aufbrechen zur Bescherung am heiligen Abend. Fröhliche Weihnachten! Als Krönung fuhr ein Transporter auf dem Heimweg von CAR GLAS hinten auf. Mit welchem philosophischen Gedankenfusel kann man sich solche Situationen noch schön reden? Oder liegt der Sinn solcher Aktionen darin, dass man eine unglaubliche Kreativität in Sachen Racheplänen entwickelt. Vorausgesetzt, man erwischt diese gehirnlosen Vandalen, die einen Tag später weitere Autos demoliert und eins sogar in Brand gesetzt haben. Wir stellten uns vor, wie diese Idioten nackt durch die Glasspitter der zahlreich zerschmetterten Autoscheiben robben oder mit eingeklemmtem Kopf in der Automatikscheibe neben dem Auto herrennen müssen. Aber die Genugtuung, die wir dabei empfanden, bereitete uns sofort ein schlechtes Gewissen. Nein, wir dürfen nicht hassen, nicht mal die, deren Verstand locker von dem einer Nacktschnecke übertroffen wird. Wir dürfen keine schlechten Gedanken haben. Was sollen wir machen? Lange können wir diesen wachsenden Ekel, diesen Groll, den uns solche Subjekte verschaffen, nicht mehr unterdrücken. Oder liegt der Sinn darin, ein weiteres Mal erkannt zu haben, dass wir nichts weiter wollen, als hier weg ziehen? Dass wir erkennen und uns sicher sind, die richtige Entscheidung mit unserem Bauprojekt getroffen zu haben? Vielleicht ist es das, sind mir doch längst schon wieder ernst zunehmende Zweifel gekommen, ob uns die Gesamtsituation nicht doch über den Kopf wachsen wird. Finanziell wie auch kräftemäßig. Die Vorstellung, zu sechst für unbestimmte Zeit in zwei Zimmern zu hausen, lässt bei mir eine Art Ordnungspanik ausbrechen und führt zu akuten Aufräum- und "alles-muss-entsorgt-werden"-Anfällen. Verständnisloses Kopfschütteln meiner Umwelt - die hat ja `ne Macke! Dazu das ständige Gepolter und Getrampel über uns, aufgebrochene Briefkästen und Pisse im Hausflur! Sind Visionen, in denen man anderen grausam lachend eine Pistole an die Stirn hält und genüsslich abdrückt, bereits behandlungsbedürftig? Keine Sorge, statt Amok werde ich doch noch einmal Marathon laufen. Am 15. März im schönen Marienwerder. Vorerst wohl den letzten, zumindest für 2008. Aber unter Berücksichtigung des für 2009 geplanten Rennsteiglaufes - tja, lieber Bruder, gesagt ist gesagt, wir treffen uns im Ziel nach 74 km. Grins!
Selbst die gute Tat, mit der wir uns von Groll und Ekel befreien und somit allen vergebend ins neue Jahr starten wollten, mussten wir wegen mangelndem Impfschutz ins kommende Jahr verschieben. Nun ja, aufgeschoben ist nicht augehoben. So dass unsere Kaninchendame erst in zwei Wochen einen Spielkameraden bekommt, wenn sie über einen vollständigen Impfschutz verfügt. Sicherheit geht eben vor. Schade Kickho, du hübscher Kaninchenmann, die Mädels hoffen, du wartest auf uns.
Ich wünsche allen Lesern und Leserinnen, allen Verwandten, Bekannten, Freunden, allen Menschen und Tieren dieser Welt (selbst den hirnlosen Autovandalen und elefantenfüßigen Trampeltieren, Briefkastenknackern und Hausflurpissern) und natürlich uns sechs einen guten Start ins neue Jahr. Möge das Glück mit euch und mit uns sein.

Montag, 17. Dezember 2007

Alles hat ein Ende...

... und einen Anfang. Die ersten Bautätigkeiten des Eigentümers auf dem Grundstück unserer "Villa" haben tatsächlich begonnen. Als ich heute davon hörte, konnte ich es kaum glauben. Die fiese Baugrube, die für den Zweck eines Swimmingpools vom Bewohner des Vorderhauses ausgehoben wurde, ist wieder zu. Der Müll, der im Hof lagerte, ist fort. An seiner Stelle lagern jetzt unzählige Steine, die, wie zu vermuten, für die Pflasterung des Hofes verwendet werden sollen...? Aber muss nicht, um die Medien wie Strom, Gas und Wasser und Telefonanschluss ins Gebäude zu legen, noch einmal alles aufgebuddelt werden? Nicht wundern, nicht darüber nachdenken. Man muss Vertrauen haben in andere.
Im Garten wurde auch schon ordentlich gewütet. Ein Schuppen ist verschwunden und Teile der Mondlandschaft wurden bereits planiert. Erde kommt demnächst auch noch. Heißt das, wir können mit unserem Möhren- und Kartoffelanbau beginnen, bevor das Häusle fertig ist? Und das Dach? Der entscheidene Faktor X? Soll erst im März gemacht werden - so der Eigentümer. AAAAAHHH! Warum fühlt man sich immer so verdammt abhängig?

Donnerstag, 13. Dezember 2007

Warten und warten und warten...




....wir darauf, dass es endlich los gehen kann. Nicht, dass wir darauf brennen, endlich tagein tagaus in staubigen, Mörtel bekleckerten Klamotten in unserem -wie auf den Fotos zu erkennen noch wenig einladenem - "Traumhaus" zu weilen. Aber je mehr Zeit verstreicht, ohne das etwas passiert, in der wir auf den Beginn der Bauarbeiten warten müssen, um so endloser erscheint uns unser Projekt.
Unsere Financiers haben gestern die nötigen finanziellen Mitteln angewiesen. Die von uns beauftragte Rechtsanwältin prüft den Mietvertrag. Die benötigten Baumaschinen und Geräte kommen tagtäglich per keuchendem Hermesboten bei uns an. Unsere jetzige Wohnung verwandelt sich langsam aber stetig in ein Baustofflager. Unsere Abende klingen mit Besuchen auf der Ebay-Seite und erfolgreichen oder nicht erfolgreichen Einkäufen von Baumaterialien aus. Um dann mit der Frage ins Bett zu gehen: wann geht es endlich los?
Der Eigentümer des Objektes unserer Begierde lässt sich Zeit. Dabei ist das Wetter momentan ideal, um das Dach zu erneuern und die Medien im noch nicht gefrorenen Boden zu verlegen. Worauf also noch warten? Die Abhängigkeit vom Dritten und eine gewisse Machtlosigkeit, die Sache voranzutreiben, überlagern ein wenig die vorweihnachtliche Adventstimmung. Geduld, wir müssen uns in Geduld üben. Und die Sorge ausblenden, dass wir ein weiteres Jahr in unserer Mietwohnung fristen.
P.S. Wir sind ein Familienmitglied mehr! Flöckchen kam zu uns vor zwei Wochen. Wird Zeit, dass unsere zweibeinigen und vierbeinigen Zwerge den Garten besiedeln können!

Dienstag, 27. November 2007

Nichts ist unmöglich - Wenn Träume geboren werden

Wer wohnt nicht gern citynah? Direkter Innenstadtanschluss, vierspurige Hauptverkehrsstraße mit Straßenbahnverkehr im vier Minuten Takt unmittelbar vor der Haustür. Nette Nachbarn im Haus, attraktives Umfeld mit zahlreichen Einkaufsmöglichkeiten (mit Apotheken-, Matratzendiscounter- und Ramschladenüberschuss) - wir blicken dem Ende unserer Zeit in der Berliner Allee entgegen.

Ich will ehrlich sein, ein einladend großzügiger, herrschaftlich anmutender Hausflur hat uns damals verblendet, uns den Blick für das Wesentliche verklärt. Zu sechst in einer Wohnung mit drei Zimmern wohnend, waren wir beeindruckt von der Größe dieses Domizils, so dass wir über eine komplette Badsanierung, Küchenumbau, Renovierungsarbeiten (mit Fenster und Türen abschleifen und streichen, was wir bis heute nicht geschafft haben) blauäugig hinweg sahen. Wir erkannten den schlechten und für unsere Wohnbedürfnisse ungünstigen Schnitt der Wohnung nicht, ignorierten erste Anzeichen von nachbarschaftlichen Anfeindungen und zogen voller Wohlgemut ein. Vier Jahre, die zweite Mieterhöhung und den -xten Nachbarschaftsstreit später, träumten wir vom eigenen Haus. Ein Traum, unerreichbar für uns, aufgrund unserer untoppen Bonität. Eine nette Wohnung in einer netteren Gegend mit einem netteren Mietzins hätte uns allenfalls genauso glücklich gemacht. Aber die Suche nach geeignetem und bezahlbaren Wohnraum für eine sechsköpfige Familie resignierte uns schnell. Zu klein, zu teuer, noch blödere Gegenden.

Just in diesem Moment, dem Höhepunkt meiner Resignation, hatte das Schicksal mit uns Erbarmen (oder auch nicht, das wird sich erst noch zeigen!) und offenbarte uns ein vom Verfall bedrohtes Backsteingebäude in Berlin Malchow. Angrenzend an das wunderbare Naturschutzgebiet, unser kleines Läuferparadies, in dem wir unsere zahlreichen langen, qualvollen Longjoggs im Rahmen der Marathonvorbereitung absolvierten. Ich liebe diese Gegend, in der mir regelmäßig Reiher, Eisvögel, Füchse, Rehe und Kaninchen begegnen, wo Hunde Hunde sein dürfen und sich einsame Langstreckenläufer mental auf große Ereignisse vorbereiten können.

Der Eigentümer des Backsteingebäudes (eine alte Scheune), bot uns an, wir könnten uns die Fläche (300 qm) zu Wohnzwecken ausbauen. Zum Selbstkostenpreis versteht sich. Als Gegenleistung - günstiger unveränderbarer Mietzins (2,30 Euro ) für die nächsten dreißig Jahre und Wohnrecht für diese Zeit. Wir hingen am Haken. Kostenfreie Gartennutzung (600 qm) unter der Bedingung, wir kümmern uns selber um die Fläche (endlich - Kartoffeln anpflanzen, Möhren, Kopfsalat...Schafe halten, Ponys, Blumen wohin das Auge reicht!!). Immer tiefer bohrte sich der Haken in unsere Köpfe. Und umso trauriger zappelten wir mit Armen und Beinen, denn woher sollten wir das Geld für den Ausbau nehmen? Schätzungen beliefen sich auf 30.000 bis 50.000 Euro für 150 bis 180 qm Fläche. Voller Euphorie und ahnungslos planten wir drauflos. Fenster hier, Türen da, Zimmer dorthin, Bad hierhin. Wir träumten uns bereits im Garten liegend, als der von uns bestellte Architekt uns an einem verregneten Novembertag aus unserem Traum riss. Mängel, die wir nicht gesehen hatten wurden plötzlich deutlich. Das Dach war komplett zerstört, das Mauerwerk nass. Mit dem Eigentümer hatten wir vereinbart, dass er das Dach erneuert und die Fläche entkernt sowie die Medien bis ins Gebäude legt. Der Rest würde uns obliegen. Dachdämmung, Fenster, Türen, Fußboden, Wände stellen, Verputzarbeiten, Heizungsinstallation, Sanitäranlagen, Elektroinstallationen. Machbar, aber wir sollten den Aufwand - arbeitstechnisch und finanziell - nicht unterschätzen, gab er uns vorsichtig mit auf den Weg. Und wies uns erbarmungslos auf die direkt über dem Haus verlaufende Hochspannungsleitung hin. Elektrosmog! Unser Traum rieselte wie Sand in einer Sanduhr aus unseren Köpfen. Hinzu kam ein kleiner Stichpunkt im Gutachten zum Gebäude: Denkmalschutz!

Wochenlang recherchierten wir zum Thema Elektrosmog. Fanden Erschreckendes und Beruhigendes zugleich. Hin- und hergerissen zermarterten wir uns die Köpfe, diskutierten nächtelang, ob und für wieviel Gesundheitsrisiko wir die Verantwortung übernehmen könnten gegenüber unseren vier Kindern und uns selbst. Wir sprachen mit Ärzten, Bausachverständigen und Mitarbeitern von Vattenfall. Wir ließen Messungen durchführen, sprachen mit Strahlenschutzbeauftragten und stellten fest, dass wir längst von Elektrosmog umgeben waren und befanden das Risiko für nicht höher als weiterhin in unmittelbarer Nähe einer Straßenbahnoberleitung zu leben. Wir hatten keine Alternative.

Die Hürde Denkmalschutz nahmen wir mit einem laschen Hüpfer, denn das Gebäude durfte lediglich nicht abgerissen werden. So langsam dämmerte uns auch der Hintergrund, warum uns der Eigentümer geradezu selbstlos mit zahlreichen Angeboten entgegenkam. Er brauchte uns, um das Gebäude zu erhalten. Damit konnten und können wir leben. Eine Hand wäscht eben die andere.

Die dritte Hürde war die Finanzierung. Auch diese erschien uns Anfangs größer und schier unüberwindbar. Doch - an dieser Stelle einen herzensgroßen Dank an unsere Financiers - auch diese konnten wir mit Hilfestellung überspringen.

Hürde Nummer vier war die Kostenplanung. Wir hatten nun eine konkrete Summe zur Verfügung und konnten in mühsamer Kleinarbeit und Recherche, Preise von den benötigten Materialien sammeln. Es erfordert viel Geduld und ebenso viel Ausdauer, auch nach kleinsten Kleinigkeiten zu recherchieren - was zum Beispiel kostet ein Lichtschalter und wie viele benötigen wir? Marathontraining sei Dank - mit wunden Fingerkuppen und heiß telefonierten Ohren schrieben wir seitenweise Listen mit Preisen, durchforsteten Angebote von Herstellern, Lieferanten und Dienstleistern. Summa summarum: 38.000 Euro. Einzige Bedingung - wir müssen den gesamten Innenausbau in Eigenleistung erbringen. Schaffen wir das? Job, Kinder, eigene Bedürfnisse, eventuelle Krankheitsfälle nicht berücksichtigt und dann jede freie Minute auf einer Baustelle hängen? Vier Monate lang, ein halbes Jahr, länger? Welche Unwegbarkeiten erwarten uns? Und immer wieder die eine Frage: halten wir das durch? schaffen wir das? Jo, wir schaffen das! Es hat einen Sinn, es bringt uns dorthin, wohin wir wollen. Wir schaffen das!

Aus der vagen Risikoschwangerschaft ist in zwei Monaten ein Baby geworden, das kurz davor ist, das Licht der Welt zu erblicken: unser Malchow-Projekt. Geboren aus der Kraft des Willens und einer gehörigen Portion Hartnäckigkeit - Gratulation Marco! Immer noch risikobehaftet, infektanfällig, aber inzwischen machbar. Aber so sind Neugeborene nun mal. Sie machen gehörig viel Arbeit. Sobald das Dach neu gedeckt ist, die Fläche entkernt ist, die Medien gelegt sind, werden wir mit dem Ausbau unseres neuen Domizils anfangen. Übrigens Malchow gehört zu Hohenschönhausen, Großbezirk Lichtenberg... und ist über die B2, die den "Arsch der Welt" mit der City verbindet, und auch noch am öffentlichen Nahverkehrsnetz angeschlossen ist, perfekt zu erreichen! :-)

Wie es weitergeht mit unserem "Baby", ob es laufen lernt, alle Höhen und Tiefen, Rückschläge, Erfolge - lest sie hier und bangt und hofft mit uns!