Geduld fordert ihre Tribute. So sind Wechselbäder der Stimmungslagen momentan an der Tagesordnung. Von grenzenloser Zuversicht, die uns rosarot in die Zukunft blicken lässt bis hin zu körperlich schmerzender Verzweiflung, weil weder Anfang noch Ende in Sicht sind. Dazu mischt sich ein gewisser satreischer Ekel vor der uns umgebenden Bevölkerung. Wir versuchen uns in Vergebung, ehrlich. Niemand ist vollkommen und jeder verdient mindestens eine zweite Chance. Wir versuchen nach wie vor, das Gute in allem zu sehen. Denn hat nicht alles einen Sinn? Manchmal ist es schwer, den wahren Kern einer Sache zu erkennen. So zum Beispiel im scheinbar sinnlosen Zerstören von Autos auf dem Parkplatz, unter denen leider diesmal auch unser Chrysler zu leiden hatte. Scheibe eingeschlagen, Innenraum verwüstet, innen wie außen mit Silikonölspray eingesprüht, um als Sahnehäuptchen den Inhalt eines Feuerlöschers darüber zu verteilen. Und das zwei Stunden vor dem Aufbrechen zur Bescherung am heiligen Abend. Fröhliche Weihnachten! Als Krönung fuhr ein Transporter auf dem Heimweg von CAR GLAS hinten auf. Mit welchem philosophischen Gedankenfusel kann man sich solche Situationen noch schön reden? Oder liegt der Sinn solcher Aktionen darin, dass man eine unglaubliche Kreativität in Sachen Racheplänen entwickelt. Vorausgesetzt, man erwischt diese gehirnlosen Vandalen, die einen Tag später weitere Autos demoliert und eins sogar in Brand gesetzt haben. Wir stellten uns vor, wie diese Idioten nackt durch die Glasspitter der zahlreich zerschmetterten Autoscheiben robben oder mit eingeklemmtem Kopf in der Automatikscheibe neben dem Auto herrennen müssen. Aber die Genugtuung, die wir dabei empfanden, bereitete uns sofort ein schlechtes Gewissen. Nein, wir dürfen nicht hassen, nicht mal die, deren Verstand locker von dem einer Nacktschnecke übertroffen wird. Wir dürfen keine schlechten Gedanken haben. Was sollen wir machen? Lange können wir diesen wachsenden Ekel, diesen Groll, den uns solche Subjekte verschaffen, nicht mehr unterdrücken. Oder liegt der Sinn darin, ein weiteres Mal erkannt zu haben, dass wir nichts weiter wollen, als hier weg ziehen? Dass wir erkennen und uns sicher sind, die richtige Entscheidung mit unserem Bauprojekt getroffen zu haben? Vielleicht ist es das, sind mir doch längst schon wieder ernst zunehmende Zweifel gekommen, ob uns die Gesamtsituation nicht doch über den Kopf wachsen wird. Finanziell wie auch kräftemäßig. Die Vorstellung, zu sechst für unbestimmte Zeit in zwei Zimmern zu hausen, lässt bei mir eine Art Ordnungspanik ausbrechen und führt zu akuten Aufräum- und "alles-muss-entsorgt-werden"-Anfällen. Verständnisloses Kopfschütteln meiner Umwelt - die hat ja `ne Macke! Dazu das ständige Gepolter und Getrampel über uns, aufgebrochene Briefkästen und Pisse im Hausflur! Sind Visionen, in denen man anderen grausam lachend eine Pistole an die Stirn hält und genüsslich abdrückt, bereits behandlungsbedürftig? Keine Sorge, statt Amok werde ich doch noch einmal Marathon laufen. Am 15. März im schönen Marienwerder. Vorerst wohl den letzten, zumindest für 2008. Aber unter Berücksichtigung des für 2009 geplanten Rennsteiglaufes - tja, lieber Bruder, gesagt ist gesagt, wir treffen uns im Ziel nach 74 km. Grins!
Selbst die gute Tat, mit der wir uns von Groll und Ekel befreien und somit allen vergebend ins neue Jahr starten wollten, mussten wir wegen mangelndem Impfschutz ins kommende Jahr verschieben. Nun ja, aufgeschoben ist nicht augehoben. So dass unsere Kaninchendame erst in zwei Wochen einen Spielkameraden bekommt, wenn sie über einen vollständigen Impfschutz verfügt. Sicherheit geht eben vor. Schade Kickho, du hübscher Kaninchenmann, die Mädels hoffen, du wartest auf uns.
Ich wünsche allen Lesern und Leserinnen, allen Verwandten, Bekannten, Freunden, allen Menschen und Tieren dieser Welt (selbst den hirnlosen Autovandalen und elefantenfüßigen Trampeltieren, Briefkastenknackern und Hausflurpissern) und natürlich uns sechs einen guten Start ins neue Jahr. Möge das Glück mit euch und mit uns sein.
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