Sonntag, 16. März 2008
Aus der Traum...?
Unsere Freude über die schnelle und scheinbar problemlose Einigung bezüglich des Mietvertrages und die Kompromissbereitschaft des Eigentümers wurde jäh zerstört. Nachdem Anfang März weder mit den Bauarbeiten am Dach noch mit anderen Bauarbeiten begonnen wurde, und es auch nicht danach aussah, als ob jemals welche beginnen sollten, fingen wir an, an der Zuverlässigkeit der Aussagen des Eigentümers zu zweifeln. Unmut machte sich in uns breit, denn mit jeder Verzögerung der Vorarbeiten verloren wir wertvolle Zeit, um unser Ziel, Weihnachten in Malchow in unserer neuen Wohnung zu feiern, zu erreichen. Wir baten den Eigentümer um einen Gesprächstermin. Wir wollten klare Aussagen, wann was gemacht werden sollte. Die verstandesmäßige Stimme in unserem Kopf schrie immer lauter, dass dieses Projekt eine faule Nuss war und wir lieber die Finger von dieser für uns nicht unbedeutenden Investion lassen sollten. Wir verabredeten uns mit dem Eigentümer an einem Montag Abend. Mit ungutem Gefühl im Bauch, welches wir als Hunger verleugneten fuhren wir nach Malchow. Der Eigentümer ließ unsere Verabredung platzen, ohne Absage, ohne Entschuldigung. Verärgert und traurig standen wir in dem Garten, in dem wir uns vor einigen Monaten in Liegestühlen haben liegen sehen, zwischen Oleander und duftendem Lavendel, umgeben von glücklich spielenden Kindern und Tieren, und sahen die orangerote Sonne im Feld versinken, auf dem ein einsames Reh graste. Mein Herz krampfte, ich kämpfte gegen Tränen und den Drang in mir, etwas zu zerstören oder irgendjemandem wehzutun. Enttäuscht fuhren wir nach Hause und versuchten unsere Verzweiflung in Zuversicht zu lenken, in dem wir nach einer passenden Wohnung bei Immonet und Immobilienscout suchten. Nichts, alles zu klein, zu teuer oder in Gegenden, die wir nur unter Androhung der Todesstrafe bewohnen würden. An diesem Abend saßen wir schweigend in unserem weiß gestrichenem, mit Umzugskartons dekoriertem und kalt wirkendem Wohnzimmer. Keiner von uns wollte es aussprechen: Das Projekt war gescheitert, bevor es angefangen hatte. Aber war dies nicht eher positiv zu werten? Wäre es nicht dramatischer, wenn wir mitten in den Bauarbeiten steckten und unsere Existenz verlieren würden? In solchen Momenten treffen einen die Nervereien von Hausbewohnern, mit denen man ohnehin im Klinsch liegt, umso härter und bitterer. Wie spitze Nägel bohrte sich jedes Trampel- und Bobbycarfahrgeräusch von über uns in unsere Ohren. Waren wir zu voreilig, zu optimistisch, zu zuversichtlich gewesen? Hätten wir von Anfang kritischer sein müssen? War dies die gerechte Strafe? Den Rest unseres Lebens umgeben von Schwachsinnigen und Geistesgestörten? Wir schliefen beide schlecht in dieser Nacht. Und dennoch...wir hatten am nächsten Morgen noch nicht gänzlich aufgegeben, es sollte einen letzten Versuch, eine endgültige Klärung geben, bevor wir abschließend sagen können: aus der Traum.
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