Ein Telefonat mit dem Eigentümer am Tag nach dem geplatzten Termin machte uns erst einmal noch wütender. Hätte er uns belogen, hätte er Krankheit, einen lebenswichtigen Termin oder gestorbene Verwandte vorgetäuscht, wäre uns sicher ein kleiner Stein vom Herzen gefallen. Wir hätten uns den Umgang des Eigentümers mit uns wieder ein wenig schöner reden können. Seine Ehrlichkeit traf uns jedoch genau an der wunden Stelle. Er war einfach früher gegangen, hatte keinen Bock, mit uns zu sprechen. Die Aussage schürte Kampfesgeist in uns und stachelte unseren Sinn für Gerechtigkeit (zumindest unsere empfundene Gerechtigkeit) an. Wir kündigten uns für Samstag früh an.
Voller Zorn und mit einer Hand voll Wörtern bewaffnet, die wir dem Eigentümer auf den Schoß kotzen wollten, fuhren wir nach Malchow. Als wäre nichts gewesen, wurden wir mit Freundlichkeit empfangen. Wir atmeten ein letztes Mal tief durch und setzten zum großen Finale an. Was passierte? In verzweifelten Ton schilderten wir unsere Lage, unseren Unmut, unsere Zweifel und Bedenken. Gleichzeitig formulierten wir unsere Wünsche, unsere Vorstellungen, dass wir Pläne bräuchten, dass wir eine zeitlich detaillierte Planung bräuchten, dass wir Zuverlässigkeit bräuchten, dass wir endlich Fortschritte sehen möchten. Der Eigentümer sah uns mit fast väterlich liebevollen, dunklen Augen an, nickte verständnisvoll und sagte, dass alles kein Problem wäre. Kleine Verzögerungen gäbe es immer auf Baustellen. Er versprach, bis Ende März alle Vorarbeiten, die für unseren Baubeginn relevant wären, zu erledigen, Pläne der Innenfläche erstellen zu lassen, so dass einem Baubeginn Anfang April nichts mehr im Wege steht. Wir schluckten und in unseren Mägen bildete sich ein Knäuel aus unverdaulichen, bösen Wörtern und Satzgefügen. Großzügig bot uns der Eigentümer Kredit an, falls unsere Ausbausumme nicht ausreichen sollte. Auch in Sachen Fassadendämmung fand sich schnell eine Einigung. Wir beteiligen uns mit 5000 Euro an den Gesamtkosten. Mit merkwürdig flauem Gefühl im Bauch verließen wir sein Büro und fuhren nach Hause. Wir versuchten unsere Freude und wieder aufkeimende Euphorie zu drücken und mahnten uns gegenseitig, abzuwarten bis Ende März. Hält er sich an seine mündlichen Zusagen? Wird doch noch alles gut? Gestern fuhren wir auf dem Weg nach Marienwerder, wo ich meinen vierten Marathon absolvieren wollte, durch Malchow. Ein vorsichtiger Blick über den Zaun...wir sahen eine lange Leiter über das Dach ragen...ein Hoffnungsträger???
P.S. Habe meinen vierten Marathon in einer für mich sensationellen Zeit gefinished: 3 Stunden 48 Minuten und 14 Sekunden! Damit wurde ich zweite in der Altersklasse 30. Noch ein Hoffnungsträger?
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